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Demian

Az ember élete lehetôség, hogy megtalálja a sorsához elvezetô utat. De rábízhatjuk-e magunkat a sorsra? És ha ez a sors bűnökre csábít, ha eltávolít a tiszta és fényes világtól? Bűn-e a bűn? És jó-e a jó? Van-e szabad akaratunk? Létezik-e Isten? Mi az igazi szeretet? Amikor lelkünk mélyére nézünk, rájövünk, hogy hasonló kérdésekkel vívódunk mi is. "Minden ember élete kísérlet, hogy eljusson önmagához. Minden ember élete egy ösvény sejtése. Senki sem volt még teljesen és maradéktalanul önmaga, mégis mindenki igyekszik önmaga lenni: ki tapogatózva, ki ahogy éppen tud." Ezek a gondolatok szövik át Hesse fiatalkori regényét, amelyet álnéven adott ki. Megjelenése óta a Demian méltán foglalja el helyét a virágirodalom gyöngyszemei között.

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und der Trieb des Geschlechts, den ich eine Weile hatte in die Anbetung
Beatrices auflösen können, verlangte neue Bilder und Ziele. Noch immer kam
keine Erfüllung mir entgegen, und unmöglicher als je war es mir, die
Sehnsucht zu tauschen und etwas von den Madchen zu erwarten, bei denen
meine Kameraden ihr Gluck suchten. lch traumte wieder heftig, und zwar mehr
am Tage als in der Nacht. Vorstellungen, Bilder oder wunsche, stiegen in
mir auf und zogen mich von der 'auAeren Welt hinweg, so dafs ich mit diesen
Bildern in mir, mit diesen Traumen oder Schatten, wirklicher und lebhafter
Umgang hatte und lebte, als mit meiner wirklichen Umgebung.
Ein bestimmter Traum, oder ein Phantasiespiel, das immer wiederkehrte,
wurde mir bedeutungsvoll. Dieser Traum, der wichtigste und nachhaltigste
meines Lebens, war etwa so: lch kehrte in mein Vaterhaus zurück —— über dem
Haustor leuchtete der Wappenvogel in Gelb auf blauem Grund " im Hause kam
mir meine Mutter entgegen " aber als ich eintrat und sie umarmen wollte,
war es nicht sie, sondern eine nie gesehene Gestalt, grofs und machtig, dem
Max Demian und meinem gemalten Blatte ahnlich, doch anders, und trotz der
Machtigkeit ganz und gar weiblich. Diese Gestalt zog mich an sich und nahm
mich in eine tiefe, schauernde Liebesumarmung auf. Wonne und Grausen waren
vermischt, die Umarmung war Gottesdienst, und war ebenso Verbrechen. Zu
viel Erinnerung an meine Mutter, zu viel Erinnerung an meinen Freund Demian
geistete in der Gestalt, die mich umfing. lhre Umarmung verstieB gegen jede
Ehrfurcht und war doch Seligkeit. Oft erwachte ich aus diesem Traume mit
tiefem Glücksgefühl, oft mit Todesangst und gegualtestem Gewissen wie aus
furchtbarer Súnde.
Nur allmahlich und unbewuAt kam zwischen diesem ganz innerlichen Bilde und
dem mir von aulöen zugekommenen Wink uber den zu suchenden Gott eine
Verbindung zustande. Sie wurde aber dann enger und inniger, und ich begann
zu spüren, dalö ich gerade in diesem Ahnungstraum den Abraxas anrief. Wonne
und Grauen, Mann und Weib gemischt, Heiligstes und Gralőliches ineinander
verflochten, tiefe Schuld durch zarteste Unschuld zuckend —— so war mein
Liebestraumbild, und so war auch Abraxas. Liebe war nicht mehr tierisch
dunkler Trieb, wie ich sie beangstigt im Anfang empfunden hatte, und sie
war auch nicht mehr fromm vergeistigte Anbeterschaft, wie ich sie dem Bilde
der Beatrice dargebracht. Sie war beides, beides und noch viel mehr, sie
war Engelsbild und Satan, Mann und Weib in einem, Mensch und Tier, h'ochstes
Gut und 'auAerstes Böses. Dies zu leben schien mir bestimmt, dies zu kosten
mein Schicksal. Ich hatte Sehnsucht nach ihm und hatte Angst vor ihm, ich
traumte ihm nach und ich floh vor ihm, aber es war immer da, war immer über
mir.
lm n'achsten Fruhjahr sollte ich das Gymnasium verlassen und studieren
gehen, ich wulöte noch nicht wo und was. Auf meinen Lippen wuchs ein kleiner
Bart, ich war ein ausgewachsener Mensch, und doch vollkommen hilflos und
ohne Ziele. Fest war nur eines: die Stimme in mir, das Traumbild. Ich
fühlte die Aufgabe, dieser Führung blind zu folgen. Aber es fiel mir
schwer, und t'aglich lehnte ich mich auf. Vielleicht war ich verruckt,
dachte ich nicht selten, vielleicht war ich nicht wie andere Menschen? Aber
ich konnte das, was andre leisteten, alles auch tun, mit ein wenig FleiA
und Bemühung konnte ich Plato lesen, konnte trigonometrische Aufgaben l'osen
oder einer chemischen Analyse folgen. Nur eines konnte ich nicht: das in
mir dunkel verborgene Ziel herausreilöen und irgendwo vor mich hinmalen, wie
andere es taten, welche genau wulöten, daA sie Professor oder Richter, Arzt
oder Kunstler werden wollten, wie lang das dauern und was fur Vorteile es
haben wurde. Das konnte ich nicht. Vielleicht wurde ich auch einmal so
etwas, aber wie sollte ich das wissen. Vielleicht mulöte ich auch suchen und
weitersuchen, jahrelang, und wurde nichts, und kam an kein Ziel. Vielleicht
kam ich auch an ein Ziel, aber es war ein b'oses, gef'ahrliches, furchtbares.
Ich wollte ja nichts als das zu leben versuchen, was von selber aus mir
heraus wollte. Warum war das so sehr schwer?
Oft machte ich den Versuch, die m'achtige Liebesgestalt meines Traumes zu
malen. Es gelang aber nie. Wáre es mir gelungen, so h'atte ich das Blatt an
Demian gesandt. Wo war er? Ich wuAte es nicht. Ich wulöte nur, er war mit
mir verbunden. Wann würde ich ihn wiedersehen?
Die freundliche Ruhe jener Wochen und Monate der Beatricezeit war lang
vergangen. Damals hatte ich gemeint, eine lnsel erreicht und einen Frieden
gefunden zu haben. Aber so war es immer —— kaum war ein Zustand mir lieb
geworden, kaum hatte ein Traum mir wohlgetan, so wurde er auch schon welk
und blind. Vergebens, ihm nachzuklagen! Ich lebte jetzt in einem Feuer von
ungestilltem Verlangen, von gespanntem Erwarten, das mich oft v'ollig wild
und toll machte. Das Bild der Traumgeliebten sah ich oft mit überlebendiger
Deutlichkeit vor mir, viel deutlicher als meine eigene Hand, sprach mit
ihm, weinte vor ihm, fluchte ihm. Ich nannte es Mutter und kniete vor ihm
in Tr'anen, ich nannte es Geliebte und ahnte seinen reifen, alles
erfüllenden Kulö, ich nannte es Teufel und Hure, Vampyr und Mörder. Es
verlockte mich zu zartesten Liebestraumen und zu wüsten Schamlosigkeiten,
nichts war ihm zu gut und köstlich, nichts zu schlecht und niedrig.
Jenen ganzen Winter verlebte ich in einem inneren Sturm, den ich schwer
beschreiben kann. An die Einsamkeit war ich lang gewöhnt, sie druckte mich
nicht, ich lebte mit Demian, mit dem Sperber, mit dem Bild der grern
Traumgestalt, die mein Schicksal und meine Geliebte war. Das war genug, um
darin zu leben, denn alles blickte ins Grofőe und Weite, und alles deutete
auf Abraxas. Aber keiner dieser Traume, keiner meiner Gedanken gehorchte
mir, keinen konnte ich rufen, keinem konnte ich nach Belieben seine Farben
geben. Sie kamen und nahmen mich, ich wurde von ihnen regiert, wurde von
ihnen gelebt.
Wohl war ich nach aufően gesichert. Vor Menschen hatte ich keine Furcht, das
hatten auch meine Mitschuler gelernt und brachten mir eine heimliche
Achtung entgegen, die mich oft lacheln machte. Wenn ich wollte, konnte ich
die meisten von ihnen sehr gut durchschauen und sie gelegentlich dadurch in
Erstaunen setzen. Nur wollte ich selten oder nie. Ich war immer mit mir
beschaftigt, immer mit mir selbst. Und ich verlangte sehnlichst danach, nun
endlich auch einmal ein Stuck zu leben, etwas aus mir hinaus in die Welt zu
geben, in Beziehung und Kampf mit ihr zu treten. Manchmal wenn ich am Abend
durch die StraBen lief und vor Unrast bis Mitternacht nicht heimkehren
konnte, manchmal meinte ich dann, jetzt und jetzt müsse meine Geliebte mir
begegnen, an der n'achsten Ecke vorübergehen, mir aus dem na'chsten Fenster
rufen. Manchmal auch schien mir dies alles unertra'glich gualvoll, und ich
war darauf gefalöt, mir einmal das Leben zu nehmen.
Eine eigentümliche Zuflucht fand ich damals " durch einen ))Zufallx, wie
man sagt. Es gibt aber solche Zufalle nicht. Wenn der, der etwas notwendig
braucht, dies ihm Notwendige findet, so ist es nicht der Zufall, der es ihm
gibt, sondern er selbst, sein eigenes Verlangen und Mussen führt ihn hin.
Ich hatte zwei oder drei Male auf meinen Gangen durch die Stadt aus einer
kleineren Vorstadtkirche Orgelspiel vernommen, ohne dabei zu verweilen. Als
ich das nachstemal voruberkam, hörte ich es wieder, und erkannte, dalö Bach
gespielt wurde. Ich ging zum Tor, das ich geschlossen fand, und da die
Gasse fast ohne Menschen war, setzte ich mich neben der Kirche auf einen
Prellstein, schlug den Mantelkragen um mich und hörte zu. Es war keine
grer, doch eine aute Orgel, und es wurde wunderlich oespielt, namlich gut

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